DGUF-Newsletter – Ihre Registrierung

Keinen DGUF-Newsletter erhalten? – Fehler im Newslettersystem

Sehr geehrte Interessenten des Newsletters der DGUF,

Sie erhalten einmalig diese E-Mail, da unser Newslettersystem einen Fehler aufwies. Sie haben sich seinerzeit für den Newsletter der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e.V. (www.dguf.de) registriert, Ihr Abonnement jedoch bisher nicht aktivieren können. Damals erhielten Sie eine E-Mail mit der Bitte, einen Aktivierungslink zur Bestätigung anzuklicken. Bedauerlicherweise mussten wir jetzt jedoch feststellen, dass der generierte Aktivierungslink fehlerhaft war und infolgedessen keine Aktivierung vorgenommen wurde, auch wenn Sie den Anweisungen der E-Mail zur Aktivierung / Bestätigung gefolgt sind. Einige Interessenten, darunter auch Sie, haben daher bisher keinen Newsletter der DGUF erhalten. Dies bedauern wir sehr, und wir bitten Sie um Entschuldigung.

Fehler korrigiert – Neuregistrierung nun möglich
Wir haben diesen technischen Fehler nun korrigiert und möchten Ihnen mit dieser E-Mail die Gelegenheit geben, sich erneut für unseren Newsletter zu registrieren, sofern noch Ihr Interesse besteht. Besuchen Sie hierfür einfach folgende Seite, tragen Sie im auf der Seite unten dargestellten Eingabefeld Ihre gewünschte E-Mail-Adresse zur Newsletter-Registrierung ein. Sie erhalten dann – wie bei Ihrem ersten Versuch – eine E-Mail mit Bitte um Aktivierung / Bestätigung der Adresse. Diesmal wird das einwandfrei funktionieren. Hier geht es zur Registrierung:

http://www.dguf.de/49.html

Sie erhalten den Newsletter bereits? / Sie haben sich nicht registriert? / Sie wünschen keine Registrierung mehr?
In diesem Fall betrachten Sie diese E-Mail als gegenstandslos. Es wird keine weitere E-Mail folgen. Sollten Sie den Newsletter bereits erhalten, erhalten Sie diesen auch weiterhin ohne jegliches Zutun.

Fragen / Probleme bei der Registrierung?
Sollten noch Fragen bestehen oder Probleme bei der Registrierung auftreten, schreiben Sie mich einfach unter webmaster an. Ich helfe Ihnen gerne weiter.

Mit freundlichen Grüßen,

Pascal Geiger.

Rez. GA: S. Kraemer (Hrsg.): Ada Lovelace

Krämer, Sybille (Hrsg.): Ada Lovelace. Die Pionierin der Computertechnik und ihre Nachfolgerinnen. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag 2015. ISBN 978-3-7705-5986-2; 221 S., 13 Grafiken, 10 SW-Abb.; EUR 19,90.

Inhaltsverzeichnis:

Rezensiert für H-Soz-Kult von:
Julia Erdogan, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam E-Mail:

Sie ist die angeblich erste „Programmiererin“ der Geschichte: Ada Lovelace, eigentlich Augusta Ada Byron King, Countess of Lovelace. Sie wurde 1815 geboren und starb bereits mit 36 Jahren an Krebs. Der Sammelband nimmt Lovelace als Ausgangspunkt einer Untersuchung über Frauen in der Computernutzung, -anwendung und -entwicklung.
Hervorgegangen ist der Band aus der Sonderausstellung „Am Anfang war Ada. Frauen in der Computergeschichte“ des Heinz Nixdorf MuseumsForums (September 2015 – Juli 2016), die mit Lovelaces 200. Geburtstag zusammenfällt.[1] Gegliedert ist das Buch in drei Teile: Der erste Teil widmet sich der Protagonistin selbst. Der zweite Teil befasst sich mit Frauen und Computertechnologie im 20. Jahrhundert, und im letzten Teil berichten Frauen von Erfahrungen und aktuellen Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung.

In dieser Geschichte, so die kritische Ausgangshypothese des Bandes, würden Frauen bislang marginalisiert. Die Frage nach den Ursachen dafür beantworten die Beiträge auf verschiedene Weise. Dabei geht es nicht nur um die Nachfolgerinnen in der Computertechnologie, sondern auch um eine Fortsetzung der Marginalisierung, für die Lovelaces Geschichte sinnbildlich steht: Als Übersetzerin von Luigi Menabreas Artikel über Charles Babbages „Analytical Engine“ (1842) wurde Lovelace ihre Eigenleistung in den Textanmerkungen lange aberkannt. In diesen Anmerkungen, die den Umfang des Artikels mehr als verdoppelten, zeigte sie anhand von Tabellen für die Berechnung von Bernoulli-Zahlen auf, wie die Maschine arbeiten könnte. Zudem stellte sie sich vor, dass die Maschine Musik und Sprache verarbeiten könnte. Gebaut wurde Babbages Maschine jedoch nicht, und Lovelaces Beitrag wurde kontrovers in der Forschung diskutiert.

Doreen Hartmann stellt in ihrem Beitrag Lovelaces vielschichtiges Leben dar. Als Gründe für die Marginalisierung macht die Autorin die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts und die damals vorherrschenden Geschlechterrollen aus. Hartmann schließt mit der Bemerkung: „Gerade vor dem Hintergrund der schlechten Bildungsbedingungen für Frauen im 19. Jahrhundert ist Ada Lovelaces Leistung alles andere als
selbstverständlich!“ (S. 30) Nun zeigt die Autorin zuvor ausführlich, dass Lovelaces Mutter ihr mathematische Bildung nicht nur ermöglichte, sondern sie gerade dazu anwies. Ebenso unterstützte sie ihr Ehemann. Im Gegensatz zu den meisten Zeitgenossinnen der Oberschicht wurde Lovelace nicht maßgeblich in den „schönen Künsten“ ausgebildet. Zieht man dann noch die folgenden Ausführungen von Annette Pohlke zur schottischen Astronomin und Mathematikerin Mary Somerville hinzu, bleibt die Frage unbeantwortet, ob es lediglich Lovelaces unkonventioneller Lebensstil gegenüber dem konventionelleren Verhalten Somervilles war, der sie um eine frühere Anerkennung ihrer Leistungen brachte. Somerville eignete sich ihr Wissen selbst an, konnte aber im Gegensatz zu Lovelace durchaus Ansehen für ihre Leistungen genießen.

Bernhard J. Dotzler sieht vor allem in der Publikationspraxis und der verworrenen Quellenlage einen Grund dafür, warum Lovelaces Leistungen nicht eindeutig belegbar sind. Lange vergessen worden sei Lovelace außerdem deshalb, weil ihr Name in den Anmerkungen nur in Initialen erschien. Den Inhalt dieser Anmerkungen beleuchtet Dotzler genauer und erklärt, dass Lovelaces Ausführungen über die Operationalität der Maschine sie zu einer Ikone der Computergeschichte werden ließen. Dies problematisiert wiederum Jens Schröter auf ganz andere Weise: Durch das heutige Wissen über den Computer bewerte man Lovelaces Ideen als „visionär“ (S. 70) und erschaffe durch den Blick auf die Vergangenheit eine Linearität zur Computertechnologie. Sybille Krämer fragt hingegen zunächst einmal danach, was denn eigentlich ein „Programm“ sei. Dabei erklärt sie gelungen, was den universalen Charakter einer Maschine ausmacht, die ein Programm braucht, und betont in diesem Zusammenhang Lovelaces Leistung. Zur Marginalisierung merkt Krämer außerdem an, Lovelace habe Babbage um die Formel zur Berechnung der Bernoulli-Reihen gebeten. Hierdurch wurde ihre Leistung auch in Frage gestellt, wenngleich sie die Idee für die beispielhafte Operation entwickelte und diese in Tabellenform verdeutlichte (S. 86).

In vielen der Aufsätze finden sich interessante Beispiele zum Kritikpunkt, dass Frauen in der Computergeschichte stets nur als Vermittlerinnen wiederzufinden seien. In Bezug auf Lovelace drängt sich nach der Lektüre mehrerer Beiträge allerdings die Frage auf: Warum wird eigentlich ein Vergessen Lovelaces kritisiert? Nicht nur in der Forschungsliteratur, sondern auch in „Unterhaltungsmedien“ war Lovelace bereits lange vor diesem Sammelband durchaus präsent.[2] Ebenso wie sie wurden auch Babbage und seine Idee der „Analytical Engine“ lange Zeit ignoriert.

Im nächsten Abschnitt des Bandes („Rechnende Frauen, Gender und die Digitalisierung“) stellt Janet Abbate heraus, dass Frauen als Bedienerinnen von Computern nicht so prominent waren wie die Erfinder der Technologie. Vor dem Zweiten Weltkrieg, so die Autorin, waren Frauen selbst „Computer“ im Sinne einer rechnenden Person. Die Fähigkeiten, die sie dabei erlernten, konnten sie in das neue Berufsfeld des
Programmierens einbringen. Die Beispiele, unter anderem Grace Murray Hopper und Mary Allen Wilkes, liefern über den Genderdiskurs und das Wirken von Frauen in der Computertechnik hinaus spannende Facetten einer Geschichte der Computerisierung. Man gewinnt Einblicke in die Begeisterung für die Maschinen und in den Prozess des Programmierens sowie darüber, welche Rolle der Nutzer / die Nutzerin hierbei spielte.

Tanja Paulitz betrachtet dann eingehend, welche kulturellen Mechanismen dafür verantwortlich sind, dass die Rolle der Frauen in der
Wissenschafts- und Technikgeschichte oft vernachlässigt wird. Unter Rückgriff auf Bourdieus „feine Unterschiede“ verfolgt sie unter anderem die Geschichte der Astronomin Eleanor A. Lamson (1875-1932). Paulitz macht die Distinktionsmerkmale innerhalb der Geowissenschaften als Grund für die Nichtbeachtung Lamsons aus, was etwa auf die mythischen Heldengeschichten in der Feldforschung des Faches zurückzuführen sei. Wie Lovelace erscheint Lamson nicht offensichtlich als Forscherin in Publikationen; sie wird als Verfasserin eines Anhangs nicht spezifisch genannt.

Auch Heidi Schelhowe untersucht das Feld der Wissenschaften eingehender. Wie beeinflusste die Zusammensetzung der Informatik aus Mathematik und Ingenieurwesen das Fach und die Rolle der Frau darin? Die Autorin liefert hierbei eine entscheidende Antwort, warum Lovelace neu und anders bewertet werden konnte: erst durch die spätere Trennung von Hardware und Software. Dies habe es ermöglicht, Lovelace durch ihre Kommentare zu der nicht realisierten Maschine Babbages als „Pionierin der Computertechnik“ anzusehen (S. 134).

Der Band schließt mit „Tendenzen der Digitalisierung“. Hier erzählt zum Beispiel Christiane Floyd, die 1987 die erste Informatikprofessorin im deutschsprachigen Raum wurde, von Dissertationen von Frauen in der Informatik. Sie geht dabei nicht nur auf die Themen selbst ein, sondern streift auch kurz die Rahmenbedingungen, unter denen diese Frauen geforscht haben. Nadja Magnenat-Thalmann, Leiterin eines
Robotik-Projekts in Genf, berichtet von der Arbeit der humanoiden Roboterforschung. Am Beispiel der Humanoiden „Nadine“ erklärt sie Anforderungen und Wege der Forschung. Dabei kann man sich hier fragen – vor allem in Bezug auf den im Sammelband herausgearbeiteten Genderaspekt und die Rolle der Frau als Vermittlerin zwischen Mensch und Technik -, warum „Nadine“ eigentlich wieder „weiblich“ ist.

Die Beiträge veranschaulichen vielfältige Traditionen und Strukturen der Marginalisierung von Frauen in der Computergeschichte. Das Buch liefert nicht nur einen Blick auf eine Gendergeschichte; es belegt an interessanten Beispielen, wann, wo und wie Frauen in der Geschichte der Computer mitgewirkt haben und unsichtbar gemacht wurden. Darüber hinaus zeigen sich allgemeine Forschungsdiskurse und Strukturen von Disziplinen. Wie und unter welchen Umständen Themen oder Personen relevant werden oder welche Defizite in verschiedenen Fachrichtungen auszumachen sind, kann man hier spannend nachlesen. Das führt auch an die Frage heran, warum Ada Lovelace vergessen und marginalisiert, dann wiederentdeckt, ja zur Ikone gemacht wurde und heute, zumindest was die Literatur anbelangt, alles andere als vergessen ist. Auch dieser Sammelband und die Rahmenbedingungen, unter denen er entstanden ist, sowie die breite Rezeption[3] sind letztlich selbst Zeugnisse einer solchen Forschungskonjunktur.

Anmerkungen:
[1] (20.01.2016). Es gehört zu den Merkwürdigkeiten der Rezeption, dass die Hauptfigur meist nur mit ihrem Vornamen genannt wird.
[2] Zu nennen wären hier unter anderem der Film „Conceiving Ada“ von 1998 und die Programmiersprache „Ada“, die in den 1970er-Jahren nach Lovelace benannt wurde. Beides wird in diesem Sammelband auch erwähnt. [3] Rezensionen und sonstige Artikel zum Sammelband finden sich zahlreich, z.B.: Till Kinzel, in: Informationsmittel. Digitales Rezensionsorgan für Bibliothek und Wissenschaft, o.D.,
; Bettina Schabschneider, in: Medienimpulse, o.D.,
; Jenny Jörgensen, Am Anfang war Ada, in: Tagesspiegel, 11.07.2015,
; Judith Rauch, Am Anfang war Ada, in: Emma, 09.12.2015,
; Tabea Grzeszyk, Die Erfinderin des ersten Computerprogramms, in: Deutschlandradio Kultur, 09.12.2015,
; Stefan Betschon, Die Zahlenzauberin, in: Neue Zürcher Zeitung, 10.12.2015, (alle Links: 10.02.2016).

Diese Rezension wurde redaktionell betreut von:
Jan-Holger Kirsch

URL zur Zitation dieses Beitrages

image.jpg

DGUF-Newsletter vom 31.3.2016

DGUF-Newsletter vom 31.3.2016

1. DGUF-Nachrichten
1.1. DGUF-Tagung 2016 „Archäologie & Macht. Positionsbestimmungen für die Zukunft der Vergangenheitsforschung“ (Berlin, 5.-8.5.): Programm mit Abstracts online. Anmeldung geöffnet
1.2. DGUF unterstützt und kommentiert die Initiative „Open Access 2020“ 1.3. „Tübinger Thesen zur Archäologie“ jetzt auch in französischer Fassung
1.4. Archäologische Informationen seit Jg. 2016 mit zweisprachigen Aufsatztiteln

2. Tagungen und Veranstaltungen
2.1. IFaTa 2016: Internationale Fachschaftentagung (Wien, 13.-16.5.) 2.2. MAI-Tagung (museums and the internet) (Hamburg, 30./31.5.) 2.3. 9. Forum Wissenschaftskommunikation (Bielefeld, 5.-7.12., CfP bis 4.5.)
2.4. „‚Lasst uns miteinander reden‘ – Kommunikationsstrategien im Rahmen von Kulturprojekten“ (Leipzig, 16.-17.4.)
2.5. „3rd Bolzano Mummy Congress – Ötzi: 25 Jahre Forschung“ (Bozen, 19.-21.9.; CfP bis 30.5.)
2.6. „Cologne Summer School of Interdisciplinary Anthropology II: ‚The Phenomenality of Material Things: Praxis – Genesis – Cognition'“ (Köln, 19.-24.9.; Bewerbungen bis 20.5.)
2.7. „Craft Production Systems in a cross-cultural Perspective“ (Bonn, 8.-10.4.)
2.8. „Römische Glasöfen – Befunde, Funde und Rekonstruktionen in Synthese“ (Perl-Borg, 11.-12.6.)

3. Forschung
3.1. Neu im Early View der „Archäologischen Informationen“
3.2. Aktuelle Ausgrabungen in den Medien
3.3. Aktuelle Forschung in den Medien
3.4. Bodzia – ein wikingerzeitliches Gräberfeld in Zentralpolen 3.5. J. V. Dobschenzki über Gewalt im frühen Mittelalter
3.6. Star Carr: Anhänger ist Großbritanniens ältestes bekanntes mesolithisches Kunstwerk

4. Kulturgutschutz
4.1. Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien
4.2. Österreich: Kulturgüterrückgabegesetz im Nationalrat beschlossen 4.3. UN Special Rapporteur for Cultural Rights: Kulturgut kann nicht von Menschen und Menschenrechten getrennt werden
4.4. Syrien: Palmyra von Terrormiliz „Islamischen Staat“ zurückerobert

5. Ausstellungen und Museen
5.1. Berichte von der Tagung „Digitalisierung in Museen“ (Wernigerode, 22.2.)
5.2. Zehn Museen und Ausstellungshäuser mit empfehlenswerten Instagram-Auftritten
5.3. Freier Eintritt für Museen?
5.4 Bedenkenswertes zum Digitalen im Museum

6. Open Access & Open Data
6.1. Westfälische Archäologie wendet sich dem Open Access zu 6.2. Open Access als Mittel der Auflösung fachlicher Identitäten und Hinwendung zur Transdiziplinarität
6.3. Empfehlung zur umfassenden Transformation des wissenschaftlichen Publikationswesens
6.4. EU-Kommission legt Bericht zu Open Data vor

7. Bürger und Archäologie / Citizen Science
7.1. Bayern unterstützt Citizen Science in der Archäologie – ein Aufsatz von S. Mayer und R. Obst
7.2. Neugier wecken: Gute Fotos und Videos für eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne
7.3. Dokumentation zum Workshop „Der Bürger und die Wissenschaft“ (Berlin, 15.-16.1.)
7.4. Ein Sondengänger erklärt: So macht man eine Fundmeldung 7.5. Strategiepapier für eine Citizen-Science-Strategie 2020 für Deutschland vorgestellt

8. Und sonst …
8.1. Far Cry Primal: „Story irgendwo zwischen Hollywood-Mystik und wilder Pillenparty“
8.2. Archäologie angemessen kommunizieren: „Leitlinien zur guten Wissenschafts-PR“ veröffentlicht
8.3. „Crash Course World History“: Geschichte (und US-amerikanisches Englisch) auf YouTube lernen
8.4. Offenes Peer Review als besseres Instrument der Qualitätskontrolle bei wissenschaftlichen Publikationen?
8.5. Eine wohlüberlegte Haltung einbringen: Rainer Schreg über sein Blog „Archaeologik“
8.6. Bundesverfassungsgericht: Akkreditierungsverfahren von Studiengängen in NRW sind verfassungswidrig
8.7. Über die strukturelle Unterfinanzierung der Digital Humanities in Kalifornien
8.8. Lesenswert: Bericht vom Workshop „Bedeutung, Chancen und Risiken der sozialen Medien für die Wissenschaftskommunikation“ (Berlin, 18.3.) 8.9. Nicht sofort antworten, sein Publikum kennen: Wertvolle Tipps für den erfolgreichen Umgang mit Journalisten

9. Impressum und Redaktionshinweise

1. DGUF-Nachrichten
1.1. DGUF-Tagung 2016 „Archäologie & Macht. Positionsbestimmungen für die Zukunft der Vergangenheitsforschung“ (Berlin, 5.-8.5.): Programm mit Abstracts online. Anmeldung geöffnet
Nun ist das Programm unserer Jahrestagung mit allen Abstracts und Informationen zu den Vortragenden online. Zwei Keynotes halten die Profs. E. Gringmuth-Dallmer und W. E. Stöckli. Der Ministerialbeamte Dr. Th. Otten wird über Archäologie und Bodendenkmalpflege zwischen
Alltagspraxis, Wissenschaft und Politik sprechen. Jochim Weise, ein zertifizierter Sondengänger, erwägt, ob Machtverlust auch
Informationsgewinn für die Archäologie bedeuten kann – konkret betrachtet er die Zusammenarbeit zwischen Amtsarchäologie und Sondengängern in Schleswig-Holstein. Dr. Th. Reitmaier von „Archäologie Schweiz“ referiert über Macher, Mächte und Machtverhältnisse in der Schweizer Archäologie. Prof. T. Schmitt ist als Vertreter des Philosophischen Fakultätentages anwesend. Carsten Schmoldt, Gründer der Initiative Pro Archäologisches Landesmuseum in Mecklenburg-Vorpommern, IPAL, reflektiert über Ehrenamtliche als Bindeglied zur Öffentlichkeit. Auch der Präsident der European Association of Archaeologists (EAA), Prof. Felipe Criado-Boado, wird einen Vortrag halten – er betrachtet unser Tagungsthema als wichtig für die europäische Perspektive. 30 hochkarätige Vorträge stehen auf der Agenda, und nach jedem Themenblock diskutieren alle Tagungsteilnehmer über die ihnen wichtigsten Aspekte. Die Tagungsanmeldung ist via DGUF.de bis 22.4. geöffnet, danach kann eine Anmeldung noch direkt im Tagungsbüro vor Ort stattfinden. Die Tagung findet auf Einladung der Staatlichen Museen zu Berlin/ Stiftung Preußischer Kulturbesitz im „Berliner Kulturforum“ am Potsdamer Platz statt. Wir freuen uns sehr auf Ihre Teilnahme, auf viele interessante Vorträge und auf lebendigen Austausch!
Tagungsprogramm im Überblick: http://www.dguf.de/index.php?id=392 Programmheft mit allen Abstracts und Informationen zu den Vortragenden:
http://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/Tagungen/Berlin2016/DGUF-Tagung-2016_Programmheft.pdf Tagungsanmeldung und organisatorische Hinweise:
http://www.dguf.de/index.php?id=384
Offizieller Hashtag der Tagung: #dguf2016

1.2.
DGUF unterstützt und kommentiert die Initiative „Open Access 2020“ Am 21.3. haben 30 international bedeutende Wissenschaftsorganisationen „OA 2020“ vorgestellt, die Initiative „Open Access 2020 – initiative for the large-scale transition to open access“. Die DGUF unterstützt die Ausrichtung von „OA 2020“ und hat sie gezeichnet. Auf DGUF.de beleuchten Frank Siegmund und Diane Scherzler in einem Kommentar den aktuellen Hype um die diversen Open-Access-Deklarationen und weisen aus Sicht der Archäologie auf fortbestehende Defizite hin. So würden Monografien, die in den Geisteswissenschaften weiterhin eine zentrale Rolle im Publikationswesen spielen nicht bedacht. Auch das zentrale Thema Bildrechte werde ausgeklammert. Es sei unbedingt nötig, dass sich die Geisteswissenschaften rechtzeitig in die Open-Access-Debatten einzumischen und aktiv die eigenen Interessen zu vertreten.
Website der Initiative „OA2020“ mit Unterzeichnern: http://oa2020.org/ Siegmund, F. & Scherzler, D. (24.3). „Die Archäologie muss sich einmischen“. Die Initiative „Open-Access 2020“ und der Open Access-Rummel im Frühling 2016: http://www.dguf.de/index.php?id=396
„Neue Initiative zur Stärkung von Open Access. Forschungsorganisationen befürworten OA-Transformation bestehender Fachjournale“ (. Pressemeldung Max-Planck-Gesellschaft 21.3.):
https://www.mpg.de/10397978/neue-initiative-zur-staerkung-von-open-access

1.3.
„Tübinger Thesen zur Archäologie“ jetzt auch in französischer Fassung Dank der übersetzerischen Tätigkeit vierer DGUF-Auxiliare liegen die „Tübinger Thesen zur Archäologie“ nun auch in französischer Fassung vor. Die Thesen können auch weiterhin unterzeichnet werden – unabhängig einer DGUF-Mitgliedschaft und unabhängig von einer formalen Ausbildung als Archäologin/Archäologe etc. Auf vielfachen Wunsch ist es seit Februar auch möglich, so zu unterzeichnen, dass der DGUF Ihr Name bekannt ist, wir Ihnen aber zusichern, diesen nicht zu veröffentlichen und niemandem außerhalb des DGUF-Vorstandes bekannt zu machen (anonymisierte Unterzeichnung).
Scherzler, D. & Siegmund, F. (eds.) (2015). Les thèses de Tübingen sur l‘archéologie. Archäologische Informationen, Early View, publication en ligne le 12 Novembre 2015.
http://www.dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Les-Theses-de-Tuebingen.pdf Tübinger Thesen zur Archäologie mit allen Informationen zur
Unterzeichnung: http://www.dguf.de/index.php?id=382
Offizieller Hashtag: #TübingerThesen

1.4.
Archäologische Informationen seit Jg. 2016 mit zweisprachigen Aufsatztiteln
Seit langem erscheinen alle Aufsätze in den Archäologischen Informationen mit einer zweisprachigen Zusammenfassung, deutsch und englisch. Da die Titel der Aufsätze oft Informationen oder Begriffe enthalten, die so nicht in den stets kurzen Zusammenfassungen wiederholt werden, und da wir zudem im Langzeitarchiv der Zeitschrift bei der UB Heidelberg einen komplett deutschen wie auch englischen Zugang zu den Beiträgen ermöglichen, wird die Redaktion ab Jahrgang 2016 auch die Titel der Aufsätze konsequent in deutscher und englischer Sprache anbieten. Um jedoch zugleich das Zitieren der Aufsätze nicht zu verkomplizieren, gilt der Titel in der Sprache des eigentlichen Textes als Aufsatztitel und wird entsprechend gesetzt, während der ergänzende anderssprachige Titel kleiner gesetzt der jeweiligen Zusammenfassung vorangestellt wird. Die Redaktionsrichtlinien wurden entsprechend angepasst.
http://www.archaeologische-informationen.de
Das neue Layout z. B. bei: Karl, R. (2016). Wir stehen drauf! Österreich, die Faro-Konvention und archäologische Bürgerbeteiligung.
Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 21. Febr. 2016: http://www.dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Karl.pdf

2. Tagungen und Veranstaltungen
2.1. I
FaTa 2016: Internationale Fachschaftentagung (Wien, 13.-16.5.) Der Dachverband Archäologischer Studierendenvertretungen (DASV e. V.) lädt zu seiner 24. Jahrestagung ins prächtige Archäologischen Zentrum der Universität Wien ein. Die Anmeldung ist bis zum 1.5. erforderlich, die Teilnahmegebühr beträgt 15 Euro. Den eröffnenden Abendvortrag hält Prof. Dr. Claudia Theune-Vogt mit einem Rück- und Ausblick auf die Etablierung einer Zeitgeschichtlichen Archäologie. Die beiden Folgetage sind vor allem für die Arbeitssitzungen der AGs vorgesehen: AG Öffentlichkeitsarbeit, AG Kulturgüterschutz, AG Praktikum, AG Archäologie und Politik, AG Bedrohte Institute und AG Studentische Tagung. Am Spätnachmittag werden Führungen durch das Prähistorische Museum oder das Ephesos-Museum angeboten. Am Montag findet die Plenarsitzung statt.
https://www.facebook.com/events/769601816505215/
https://www.academia.edu/23631162/Einladung_zur_Internationalen_Fachschaftentagung_des_Dachverbandes_Arch%C3%A4ologischer_Studierendenvertretungen_e._V

2.2.
MAI-Tagung (museums and the internet) (Hamburg, 30./31.5.)
Die 16. MAI-Tagung wird sich wiedermit neuen Entwicklungen im Bereich internetbasierter Museumspräsentationen und -diensten beschäftigen. Präsentiert werden außerdem Berichte u.a. zu den Themenbereichen „Strategien/Marketing/Werbung“, „Digitales Kuratieren“, „Online-Videos“ und „Social Media“. Das Programm gliedert sich in insgesamt sieben Themenblöcke. Ergänzend werden zwei parallele Workshops angeboten. http://www.mai-tagung.lvr.de/de/call_for_paper_programm/programm_1.html

2.3.
9. Forum Wissenschaftskommunikation (Bielefeld, 5.-7.12., CfP bis 4.5.) Mit dem „Forum Wissenschaftskommunikation“ bietet die Initiative der deutschen Wissenschaft, Wissenschaft im Dialog (WiD), Vermittlern von Wissenschaft und Forschung seit 2008 jährlich einen Überblick über aktuelle Trends und Strategien in der Wissenschaftskommunikation und lädt zum Austausch ein. Vorschläge für Sessions, interaktive Formate und Projektvorstellungen können Sie bis 4.5. einreichen.
http://www.forum-wissenschaftskommunikation.de.

2.4.
„‚Lasst uns miteinander reden‘ – Kommunikationsstrategien im Rahmen von Kulturprojekten“ (Leipzig, 16.-17.4.)
Die Jahrestagung des Bundesverbandes freiberuflicher Kulturwissenschaftler e. V. (BfK) in Leipzig beschäftigt sich mit Fragen der Kommunikation in der kulturwissenschaftlichen Projektarbeit. Richtiges Kommunizieren will gelernt sein: Verstehe ich meinen Kunden und er mich? Wie bekomme ich in einem interdisziplinären Team alle unter einen Hut? Wie kann ich andere von einer Projektidee überzeugen? Eine Anmeldung ist bis spätestens 31.3. erforderlich.
http://www.b-f-k.de/termine/index.php

2.5.
„3rd Bolzano Mummy Congress – Ötzi: 25 Jahre Forschung“ (Bozen, 19.-21.9.; CfP bis 30.5.)
Veranstaltet von „EURAC-Institut für Mumien und den Iceman“ sowie dem Südtiroler Archäologiemuseum, steht der dritte „Bolzano Mummy Congress“ ganz unter dem Jubiläum „25 Jahre Forschung am Iceman“. Alle Ötzi-Forscher und interessierten Kollegen aus allen relevanten Fachrichtungen sind eingeladen, auf 25 Jahre Ötzi-Forschung
zurückzublicken, über aktuelle Forschungsergebnisse zu berichten und die Perspektiven in der Erforschung des Mannes aus dem Eis zu diskutieren.
http://www.eurac.edu/de/research/health/iceman/conferences/Pages/3rd-Bolzano-Mummy-Congress-oetzi-25-years-of-research.aspx

2.6.
„Cologne Summer School of Interdisciplinary Anthropology II: ‚The Phenomenality of Material Things: Praxis – Genesis – Cognition'“ (Köln, 19.-24.9.; Bewerbungen bis 20.5.)
Was sind eigentlich genau Dinge und Sachen, die unseren Alltag so maßgeblich bestimmen? Welche Rolle spielen diese häufig
vernachlässigten Objekte für die menschliche Lebenspraxis? Insbesondere in den Humanwissenschaften ist in den vergangenen Jahren verstärkt über diese Frage nachgedacht worden – und vielfach unter paradigmatischen Schlagworten wie dem „material turn“ und dem „practice turn“ diskutiert worden. Jene Debatten haben zu einer vermeintlichen Revision traditioneller Sichtweisen auf die Rolle der Dinge geführt, welche nicht zuletzt für die archäologischen Disziplinen von unmittelbarer Relevanz erscheint. Die Kölner Sommerschule für Interdisziplinäre Anthropologie nimmt vom 19.-24.9. diese Impulse auf und fragt nach den Implikationen einer „von Dingen durchwobenen Alltagswelt“ für grundlegende Forschungsansätze in Archäologie, Ethnologie und Philosophie. Die zweite aus einer Serie von insgesamt drei Sommerschulen steht dabei unter dem Paradigma der „Genese“ und führt Ansätze und Überlegungen zu methodischen und theoretischen Aspekten des Werdens und der
immerwährenden Transformation der uns umgebenden Ding-Welt aus den beteiligten Fachdisziplinen zusammen. Die Sommerschule richtet sich insbesondere an fortgeschrittene Masterstudenten und an Doktoranden aller Fachrichtungen. Bewerbungsschluss ist der 20.5.
http://artes.phil-fak.uni-koeln.de/sites/artesGS/Veranstaltungen/CSIA_CfA_2016.pdf

2.7.
„Craft Production Systems in a cross-cultural Perspective“ (Bonn, 8.-10.4.)
Das Köln-Bonner Kooperationsprojekt „Archaeology of Pre-Modern Economies“ hat eine Tagung über handwerkliche Produktionssysteme organisiert, die das Phänomen vom Neolithikum bis zur Neuzeit beleuchtet, und zwar über die üblichen Binnengrenzen der archäologischen Teildisziplinen hinweg. Der Tagungsflyer macht keine Angaben zu Anmeldefristen und
Teilnahmegebühren.
http://www.wirtschaftsarchaeologie.de/en/conference-announcement-in-april-2016-craft-production-systems-in-a-cross-cultural-perspective/

2.8.
„Römische Glasöfen – Befunde, Funde und Rekonstruktionen in Synthese“ (Perl-Borg, 11.-12.6.)
Die Tagung im Archäologiepark Römische Villa Borg im Saarland soll dazu dienen, Informationen zu römischen Glasöfen und Werkstätten aus vielen Provinzen zusammentragen und neue Impulse zur Erforschung der antiken Technikgeschichte zu erlangen. An den beiden Konferenztagen sind 20 Vorträge in deutscher und englischer Sprache geplant.
http://konferenz.glasofenexperiment.de/index.html

3. Forschung
3.1.
Neu im Early View der „Archäologischen Informationen“
Scherzler, D. & Siegmund, F. (eds.) (2015). Les thèses de Tübingen sur l‘archéologie. Archäologische Informationen, Early View, publication en ligne le 12 Novembre 2015.
Kuhn, R. (2016). Rezension zu: Lacher-Raschdorff, Claudia M. (2014). Das Grab des Königs Ninetjer in Saqqara. Architektonische Entwicklung frühzeitlicher Grabanlagen in Ägypten. Wiesbaden: Harrassowitz. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 26. März 2016.
Weiner, J. (2016). On Gunflint Manufacture in Germany. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 21. März 2016.
Crumbach, S. (2016). Archäologie in Bilder kleiden? Kostüme als Rekonstruktionsversuch und Vermittlungsmedium in der
Öffentlichkeitsarbeit. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 12. März 2016.
Schreg, R. (2016). Archaeologik – Erfahrungen mit einem
Wissenschaftsblog. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 4. März 2016.
Hüglin, S. (2016). Rezension zu: McKinley et al. (2014). Cliffs End Farm, Isle of Thanet, Kent. Salisbury: Wessex Archaeology. & Cahen-Delhaye / De Mulder (dir.) (2014). Des Espaces aux Esprits. Namur: Service public de Wallonie. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 3. März 2016.
Mayer, S. & Obst, R. (2016). Bodendenkmalpflege und Ehrenamt in Bayern – Ein Beispiel für eine erfolgreiche Kooperation. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 27. Febr. 2016
Oswald, K. (2016). Hand in Hand. Forschung und Vermittlung in der digitalen Archäologie. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 27. Febr. 2016.
http://www.dguf.de/index.php?id=9

3.2. Aktuelle Ausgrabungen in den Medien
„Ägyptens Tal der Könige: Radarmessung deutet auf Grab der Nofretete hin“ (Spiegel, 17.3.):
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/tutanchamun-grab-in-aegypten-messung-deutet-auf-grab-der-nofretete-hin-a-1082836.html

3.3. Aktuelle Forschung in den Medien
„Neue Funde zu Homo floresiensis: Wir und die Hobbits“ (Spiegel, 30.3.):
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/homo-floresiensis-wann-lebte-der-hobbit-a-1084694.html und „Indonesian ‘Hobbits’ may have died out sooner than thought“ (Pressemeldung Griffith University, 31.3.):
https://app.secure.griffith.edu.au/news/2016/03/31/indonesian-hobbits-may-have-died-out-sooner-than-thought/?src=hp „Erbgut-Analyse: Mehr Denisova-Mensch, weniger Neandertaler“ (Spiegel, 29.3.):
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/erbgutanalyse-mehr-denisova-mensch-weniger-neandertaler-a-1084420.html und „A world map of Neanderthal and Denisovan ancestry in modern humans“ (Phys.org, 28.3.):
http://phys.org/news/2016-03-world-neanderthal-denisovan-ancestry-modern.html Russland: „Ice Age puppy: a missing link?“ (BBC, 28.3.):
http://www.bbc.co.uk/programmes/p03p9q3q?ocid=socialflow_twitter und „Caveman’s best friends? Preserved Ice Age puppies awe scientists“ (Phys.org, 28.3.):
http://phys.org/news/2016-03-caveman-friends-ice-age-puppies.html Tollensetal: „Slaughter at the bridge: Uncovering a colossal Bronze Age battle“ (Science Magazine, 24.3.):
http://www.sciencemag.org/news/2016/03/slaughter-bridge-uncovering-colossal-bronze-age-battle „Armchair archaeologists can explore Richard III’s grave in online model“ (The Guardian, 22.3.):
https://www.theguardian.com/science/2016/mar/22/armchair-archaeologists-can-explore-richard-iiis-grave-in-online-model?platform=hootsuite „Why did we invent pottery?“ (Pressemeldung Universität York, 21.3.):
http://www.york.ac.uk/news-and-events/news/2016/research/japanese-pottery-torihama/ „Erbgut-Spuren: Die Liaison mit dem Denisova-Menschen“ (Spiegel, 18.3.):
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/denisova-mensch-hinterliess-in-ozeanien-spuren-im-menschen-erbgut-a-1082991.html Wittenberger Werkstatt eines Alchemisten rekonstruiert: „Der Giftmischer von Wittenberg“ (Spiegel, 17.3.):
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/wittenberg-geheimnisvolle-alchemisten-werkstatt-wird-rekonstruiert-a-1081112.html „Jäger und Sammler der Steinzeit trugen zur besseren Anpassung der Europäer bei“ (Pressemeldung Max-Planck-Gesellschaft, 18.3.): https://www.mpg.de/10380237/sammler-jaeger-eurasier
„Eiszeitliche Säbelzahntiger jagten auf Südamerikas weiten Ebenen (Pressemeldung Universität Tübingen, 17.3.):
https://www.uni-tuebingen.de/newsfullview-landingpage/article/eiszeitliche-saebelzahntiger-jagten-auf-suedamerikas-weiten-ebenen.html „Neandertaler: Zu 20 Prozent Vegetarier“ (Pressemeldung Universität Tübingen, 14.3.):
https://www.uni-tuebingen.de/newsfullview-landingpage/article/neandertaler-zu-20-prozent-vegetarier.html Sima de los Huesos: „Frühester Nachweis von Neandertaler-DNA in 400.000 Jahre alten Hominiden aus Spanien“ (Pressemeldung Max-Planck-Gesellschaft, 14.3.): https://www.mpg.de/10364788/hominiden-sima-de-los-huesos und „Forscher entdeckten bislang ältestes Neandertaler-Erbgut“ (Spiegel, 15.3.):
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/neandertaler-bislang-aeltester-dna-nachweis-a-1082309.html Olduvai (Tansania): „Early Human Habitat, Recreated for First Time, Shows Life Was No Picnic“ (Pressemeldung Rutgers University, 9.3.):
http://news.rutgers.edu/feature/early-human-habitat-recreated-first-time-shows-life-was-no-picnic/20160309#.Vu1x_3rISmI „La arqueología reescribe la conquista musulmana de la península ibérica“ (El Diario, 6.3.):
http://www.eldiario.es/cultura/arqueologia-reescribe-conquista-musulmana-peninsula_0_491701075.html „Archaeology’s Information Revolution. In the near future, every archaeological artifact could be digitally connected to every other artefact“ (The Atlantic, 3.3.):
http://www.theatlantic.com/technology/archive/2016/03/digital-material-worlds/471858/ „Zündelnde Idee. In Neandertalerfundstätten taucht immer wieder ein ominöses Manganmineral auf. Doch wozu diente es? Forscher wollen jetzt eine verblüffende Antwort gefunden haben“ (Spektrum, 2.3.):
http://www.spektrum.de/news/zuendelnde-idee/1401620
„Kupferfund aus der Abfallgrube: Der Spangenbarrenhort von Oberding Umfangreicher archäologischer Fund wird im Landesamt für Denkmalpflege untersucht“ (Pressemeldung Bayer. Landesamt f. Denkmalpflege, 2.3.): http://www.blfd.bayern.de/medien/pm_spangenbarren-oberding.pdf „Zähne sagen menschliche Evolution voraus. Forschern zufolge ist die Evolution menschlicher Zähne viel einfacher als bisher angenommen“ (Pressemeldung Max-Planck-Gesellschaft, 24.2.):
https://www.mpg.de/10312211/evolution-zaehne
Bad Schussenried/Federsee: „Forscher untersuchen steinzeitliche Totenmaske aus dem Moor“ (SHZ, 23.2.):
http://www.shz.de/deutschland-welt/kultur/forscher-untersuchen-steinzeitliche-totenmaske-aus-dem-moor-id12817891.html und „Das Antlitz des Steinzeit-Todes“ (Tagesschau, 23.2.):
https://www.tagesschau.de/inland/maske-jungsteinzeit-101.html „Der Ski der Wikinger: Fuhren die Wikinger Telemark? Ein Gletscherfund aus Norwegen wirft neues Licht auf die Geschichte des Skifahrens“ (Die Alpen, 2/2016):
http://alpen.sac-cas.ch/de/zeitschrift/artikel-einzelanzeigen/?user_fjx145_pi1[object 0]=single&user_fjx145_pi1[artid]=1000005079 „Altai Neanderthal Shows Gene Flow from Early Modern Humans“ (Pressemeldung Chinese Academy of Sciences, 17.2.):
http://english.cas.cn/newsroom/research_news/201602/t20160218_159699.shtml

3.4.
Bodzia – ein wikingerzeitliches Gräberfeld in Zentralpolen
Das Gräberfeld von Bodzia im nördlichen Zentralpolen, ca. 50 km östlich von Posen, wurde 2007-2009 bei Rettungsgrabungen untersucht und liegt nun ungewöhnlich schnell in einer umfassenden Monografie vor. Der Herausgeber Andrzej Buko ist Direktor des Instituts für Archäologie und Ethnologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften und hat ein insgesamt 24-köpfiges Expertenteam versammelt, um dieses über Polen hinaus bedeutende Material zu publizieren. Die 48 Bestattungen, die als Elitegräberfeld eingeordnet werden, verteilen sich zeitlich auf zwei Belegungsphasen: eine ältere um 1000 n.Chr. und eine jüngere im späten 11. und frühen 12. Jahrhundert. Die z. T. reich ausgestatteten Körperbestattungen erweisen sich als „international“: im Kern stehen Gräber, die einem dezidiert skandinavisch-wikingischen Ritus folgen (Kammergräber) und solche, die stark in östlichen Traditionen stehen („Rus“). Auch die Isotopenanalysen unterstreichen die fremde Herkunft vieler Bestatteter. In seiner Besprechung des Werkes moniert Neil Price, Professor am Department of Archaeology and Ancient History at Uppsala University, den mit 293 US-Dollar hohen Preis der Monografie; gleichwie: „this book merits a place of honor on the shelves of any serious student of early medieval Europe. Andrzej Buko and his colleagues are to be congratulated on a superb and multi-layered contribution to the study of (in their own parallel terminology) the late Viking Age, the early state period, the founding of the Piast monarchy, and the origins of the Polish state.“
Buko, A. (ed.) (2015). Bodzia: A Late Viking-Age Elite Cemetery in Central Poland. Leiden: Brill.
Price, N. (2016). Review of Buko, A. (ed.) (2015). Bodzia: A Late Viking-Age Elite Cemetery in Central Poland. The Medieval Review 16.02.46: https://scholarworks.iu.edu/journals/index.php/tmr/article/view/21129/27100

3.5.
J. V. Dobschenzki über Gewalt im frühen Mittelalter
Frühmittelalterliche Männergräber starren vor Waffen, während die zu vermutenden Alltagstätigkeiten der Menschen in den Grabbeigaben deutlich zurücktreten. Die Grabbeigaben drücken vor allem das Ideal des Krieger-Seins aus. Einen für Archäologen ungewöhnlichen, ergänzenden Blick auf dieses Thema bietet die Dissertation der Regensburger Historikerin Jennifer Vanessa Dobschenzki, die das Thema Gewalt anhand der Heiligenbiografien des 7. und 8. Jahrhundert n. Chr. erarbeitet hat. Danach stellt sich das 7. Jahrhundert für sie als eine Epoche ausnehmend hoher Gewalt-Tätigkeit und -Bereitschaft dar. Sie ordnet die Quellen und ihre Aussagen und arbeitet unterschiedliche (Bedeutungs-) Sphären der Gewalt bei Tätern und Opfern heraus. Mit vielen wörtlichen Zitaten, in denen konkrete Gewaltakte geschildert werden, ist dies ein ungewöhnlich quellennahes und materialreiches Buch. In seiner Besprechung kritisiert der Wiener Mittelalterhistoriker Andreas Fischer die Neigung der Autorin zur Bildung allzu vieler Typen und Klassen von Gewalt und die daraus resultierende terminologische Vielfalt. „Insgesamt aber hat die Autorin mit ihrer Darstellung einen wertvollen Überblick über das Phänomen der Gewalt im 7. Jahrhundert und seiner Spiegelung in den hagiographischen Texten der Zeit geboten, den man bei der Beschäftigung mit der Merowingerzeit mit Gewinn heranziehen wird.“
Dobschenzki, J. V. (2015). Von Opfern und Tätern: Gewalt im Spiegel der merowingischen Hagiographie des 7. Jahrhunderts. Stuttgart: Kohlhammer. Fischer, A. (2016). Rezension von: Jennifer Vanessa Dobschenzki: Von Opfern und Tätern. Sehepunkte 16(2):
http://www.sehepunkte.de/2016/02/27791.html

3.6.
Star Carr: Anhänger ist Großbritanniens ältestes bekanntes
mesolithisches Kunstwerk
Was er erst für eine einfache Perle hielt, entpuppte sich als Sensation: Bereits 2015 entdeckte ein junger Archäologistudent am mesolithischen Fundplatz Star Carr in North-Yorkshire einen nun publizierten Anhänger. Die Ritzungen auf dem 11.000 Jahre alten Objekt machen das Stück zum ältesten mesolithischen Kunstwerk Großbritanniens. Vergleiche finden sich bislang nur in Südskandinavien und Dänemark. Über die Bedeutung der Gravuren ist man sich noch im Unklaren. Der Anhänger ist noch bis zum 5. Mai im Yorkshire Museum in York ausgestellt.
„Star Carr: 11,000 year old pendant is earliest known Mesolithic art in Britain“ (Pressemeldung University of York, 25.2.):
http://www.york.ac.uk/news-and-events/news/2016/research/mesolithic-shale-pendant/ „Stone Age Britons may have had prehistoric secret code“ (Independent 26.2.):
http://www.independent.co.uk/news/science/archaeology/stone-age-britons-may-have-had-prehistoric-secret-code-a6896596.html „‚It looked pretty normal at first‘: Young archaeologist recalls finding 11,000-year-old pendant at Star Carr“ (culture24,
17.3.)http://www.culture24.org.uk/history-and-heritage/archaeology/art549254-star-carr-pendant-tom-bell-archaeology Mehr über den Anhänger auf der Website des Star-Carr-Projekts: http://www.starcarr.com/pendant.html
Milner, N. et al. (2016). A Unique Engraved Shale Pendant from the Site of Star Carr: the oldest Mesolithic art in Britain, Internet Archaeology 40. http://dx.doi.org/10.11141/ia.40.8
Dreidimensionale Visualisierung des Anhängers (StarCarr-Projekt, 25.2.): https://www.youtube.com/watch?v=uzh4qZzKYug
Das Team spricht über die Entdeckung des Anhängers (StarCarr-Projekt, 25.2.): https://www.youtube.com/watch?v=1ns-idUmb38

4. Kulturgutschutz
4.1. Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien
„Italiens historische Bauwerke zerfallen. Ein kulturpolitischer Skandal“ (Deutschlandradio Kultur, 22.3.):
http://www.deutschlandradiokultur.de/italiens-historische-bauwerke-zerfallen-ein.1013.de.html?dram:article_id=349094 „Syria’s six Unesco World Heritage Sites all damaged or destroyed during civil war“ (The Independent, 16.3.):
http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/syrias-six-unesco-world-heritage-sites-all-damaged-or-destroyed-during-civil-war-a6934026.html „Escalating the War on Looting“ (The New York Times, 11.3.):
http://www.nytimes.com/2016/03/12/arts/international/escalating-the-war-on-looting.html „Indyfromspace is watching you! – Langzeitbeobachtung von Raubgrabungen an ägyptischen Fundstätten per Satelliten“ (Archaeologik, 11.3.): http://archaeologik.blogspot.de/2016/03/indyfromspace-is-watching-you.html „Kulturgut in Syrien und Irak, Februar 2016“ (Archaeologik, 3.3.):
http://archaeologik.blogspot.de/2016/03/kulturgut-in-syrien-und-irak-februar.html „Bedrohte Kulturgüter, Wie antike Schätze vor dem IS gerettet werden sollen“ (Berliner Zeitung, 24.2.):
http://www.berliner-zeitung.de/kultur/bedrohte-kulturgueter-wie-antike-schaetze-vor-dem-is-gerettet-werden-sollen-23619296 „Tourists are finishing what the volcano started in Pompeii“ (New York Post, 24.2.):
http://nypost.com/2016/02/24/tourists-are-finishing-what-the-volcano-started-in-pompeii/ „Treasure Hunters Destroy Ancient Roman Bridge near Bulgaria’s Drangovo in Search of Legendary Gold Treasure“ (Archaeology in Bulgaria, 23.2.):
http://archaeologyinbulgaria.com/2016/02/23/treasure-hunters-destroy-ancient-roman-bridge-near-bulgarias-drangovo-in-search-of-legendary-gold-treasure/ „The threat to Yemen’s heritage“ (Apollo Magazine, 22.2.):
http://www.apollo-magazine.com/the-threat-to-yemens-heritage/

4.2.
Österreich: Kulturgüterrückgabegesetz im Nationalrat beschlossen Mit der Ratifizierung des UNESCO-Übereinkommens über Maßnahmen zum Verbot und zur Verhütung der unzulässigen Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut war Österreich im Jahr 2015 spät dran. So spät, dass in einem Nationalratsprotokoll vermerkt wurde, die Position Österreichs konnte „den Eindruck erwecken, man wolle sich dem illegalen Kulturgüterhandel anbieten“. Nun werden mit der Ratifizierung einhergehend auch andere Gesetze novelliert, auch das Denkmalschutzgesetz und das Bundesgesetz über die Rückgabe unrechtmäßig verbrachter Kulturgüter, kurz Kulturgüterrückgabegesetz (KGRG). Letzteres passierte Mitte März den Nationalrat. Im Wesentlichen orientiert sich das KGRG an den internationalen Vorgaben, wobei hinsichtlich der Sorgfaltspflicht Österreich nur den gewerblichen Handel in die Pflicht nimmt, während in Deutschland auch Privatpersonen eingeschlossen sind. ICOM Österreich begrüßt „das nun beschlossene Gesetz, das im Kampf gegen den weltweiten illegalen Handel mit Kulturgütern durch die Überwachung von
Ausfuhrbewilligungen, verstärkte Inventarisierung, fortlaufende Bildungsmaßnahmen und nicht zuletzt strafrechtliche Sanktionen einen wichtigen Schritt in Österreich setzt“.
„Nationalrat befasst sich mit Schutz von Kulturgütern und Haus der Geschichte“ (OTS, 17.3.):
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160317_OTS0202/nationalrat-befasst-sich-mit-schutz-von-kulturguetern-und-haus-der-geschichte „Kulturgüterrückgabegesetz im Nationalrat beschlossen“ (Pressemeldung ICOM Österreich, 17.3.):
http://icom-oesterreich.at/news/kulturgueterrueckgabegesetz-im-nationalrat-beschlossen

4.3.
UN Special Rapporteur for Cultural Rights: Kulturgut kann nicht von Menschen und Menschenrechten getrennt werden
„Clearly, we must now understand that when cultural heritage is under attack, it is also the people and their fundamental human rights that are under attack“, sagte Karima Bennoune am 4.3. in einer Presseerklärung aus dem Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte. Als unabhängige Expertin („Special Rapporteur“) für „cultural rights“ der UN äußerte sich die Professorin für Internationales Recht anlässlich des Verfahrens vor dem Internationalen Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag zu den Zerstörungen von Kulturgut in Timbuktu (Mali). Bennoune betonte, dass sich die internationale Gemeinschaft gegen die Zerstörung von Kulturgut durch Staaten und nichtstaatliche Organisationen einsetzen müsse. Mit Bezug auf den 2015 in Palmyra ermordeten Archäologen Khaled al-Asaad sagte Bennoune: „We must not wait to rally to the cause of at-risk cultural heritage defenders until we are mourning their deaths“, vielmehr müssten die Bewahrer von Kulturgut geschützt werden, sie müssten Unterstützung im Hinblick auf ihre
Arbeitsbedingungen erhalten, und es müsse ihnen Asyl gewährt werden, sobald dies notwendig werde. Darüber hinaus müssten den Bürgerinnen und Bürgern wie beispielsweise denen im Norden Malis Respekt gezollt werden, die antike Manuskripte in ihren Wohnungen vor den Islamisten versteckt hätten. 2012 wurden in Mali durch die islamistischen Ansar Dine nicht nur Mausoleen und Handschriften vernichtet; auch Musik und religiöse Praktiken wurden verboten (vgl. DGUF-Newsletter vom 23.3.2015 Punkt 4.4.; 1.4.2014 Punkt 4.5.; 13.9.2013 Punkt 5.7.; 16.7.2013 Punkt 6.5.; 12.6.2013 Punkt 4.5.; 18.2.2013 Punkt 5.2.; 11.1.2013 Punkt 5.3.; 12.10.2012 Punkt 5.7.; 4.8.2012 Punkt 5.4.; 1.7.2012 Punkt 5.2.).
„The destruction of cultural heritage is a violation of human rights – UN Special Rapporteur“ (Pressemeldung Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte, 4.3.):
http://www.ohchr.org/EN/NewsEvents/Pages/DisplayNews.aspx?NewsID=17151&LangID=E Karima Bennoune: „Das verborgene Gesicht des Terrorismus“ (TED Talk, März 2014; Video, 20:05 Min.; Englisch mit deutschen Untertiteln):
https://www.ted.com/talks/karima_bennoune_the_side_of_terrorism_that_doesn_t_make_headlines?language=de#t-101565 „ICC’s first cultural destruction trial to open in The Hague“ (The Guardian, 28.2.):
http://www.theguardian.com/law/2016/feb/28/iccs-first-cultural-destruction-trial-to-open-in-the-hague

4.4.
Syrien: Palmyra von Terrormiliz „Islamischen Staat“ zurückerobert Am vergangenen Wochenende haben syrische Regierungstruppen die Stadt Palmyra vom sog. Islamischen Staat zurückerobert. Laut übereinstimmenden Medienberichten sind derzeit Minenräumer in der historischen, jetzt von den meisten Menschen verlassenen Stadt unterwegs. Nach Bildern von Drohnen, Eindrücken von Beobachtern und einem ersten Pressevideo vor Ort vom gestrigen Tag scheint der Schaden an der antiken Stadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, nicht ganz so groß zu sein wie befürchtet. Prof. Dr. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, betonte gegenüber dem NDR, eine
Bestandsaufnahme müsse nun in Ruhe stattfinden. Er bot Syrien jede Form der Hilfe an. Die Dschihadisten haben den Baal-Tempel, den
Baal-Schamin-Tempel, mehrere Turmgräber, den großen Triumphbogen und einen Teil der berühmten Säulenstraße gesprengt. Auf dem Platz vor dem Museum folterten und köpften die Terroristen im August 2015 Khaled Asaad, den 82-jährigen früheren Antikendirektor von Palmyra. Sie missbrauchten das antike Amphitheater als Kulisse für Massenhinrichtungen. Weltweit ist nun von einem Wideraufbau der Ruinenstadt die Rede. Auch der syrische Präsident Assad rief die internationale Gemeinschaft zum Wideraufbau der antiken Stätte auf. Chris Doyle, Direktor des Council for Arab-British Understanding, warnte gestern davor, Palmyra als Kriegstrophäe zu missbrauchen: „The great Triumphal Arch of the city lies shattered on the ground. It should be a powerful sign that there are no winners and losers in this war, that there can be no triumph after so much loss.“ „Armee meldet Sieg über IS in Palmyra“ (Tagesschau, 27.3.):
http://www.tagesschau.de/ausland/palmyra-187.html und „Antike Oasenstadt Palmyra Wiederaufbau der Ruinen der Ruinen?“ (Tagesschau, 27.3.): http://www.tagesschau.de/ausland/palmyra-197.html
DGAM: In photos: ruins of Palmyra post liberation (27.3.)
http://dgam.gov.sy/index.php?d=314&id=1955
„Palmyra: A look inside recaptured ancient city in Syria“ (BBC, 28.3.): http://www.bbc.com/news/world-middle-east-35910551
„Palmyra: ‚Eine Aufgabe für die Weltgemeinschaft'“. Gespräch mit Prof. Dr. Hermann Parzinger (NDR, 29.3.):
https://www.ndr.de/kultur/Hermann-Parzinger-ueber-Wiederaufbau-von-Palmyra,journal304.html „The Strategy Behind the Islamic State’s Destruction of Ancient Sites“ (The New York Times, 28.3.):
http://www.nytimes.com/interactive/2015/06/29/world/middleeast/isis-historic-sites-control.html?_r=0 „Welterbestätte: Archäologen planen Wiederaufbau von Palmyra“ (Spiegel, 30.3.):
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/palmyra-archaeologen-planen-wiederaufbau-a-1084602.html „Syria’s Assad Calls on UN Agencies to Help Restore Palmyra“ (Sputnik News, 30.3.):
http://sputniknews.com/middleeast/20160330/1037196922/syria-un-palmyra-assad.html „Palmyra and propaganda: Assad’s latest game“ (Middle East Eye, 30.3.):
http://www.middleeasteye.net/columns/palmyra-and-propaganda-assads-latest-game-1286614971 „Inside Old Palmyra: Exclusive access to ancient relics after ISIS flees“ (RT America, 30.3.; Video, 3:54 Min.):
https://www.youtube.com/watch?v=29qqzg3sEvM
Chris Doyle, „Palmyra is not a war trophy“ (Al Arabiya, 30.3.):
http://english.alarabiya.net/en/views/news/middle-east/2016/03/30/Palmyra-is-not-a-war-trophy.html

5. Ausstellungen und Museen
5.1.
Berichte von der Tagung „Digitalisierung in Museen“ (Wernigerode, 22.2.) Warum ist digitales Engagement von Museen so wichtig? Wie sieht das digitale museale Exponat der Zukunft aus? Und was ist mit dem viel beschworenen Crowdfunding? Das waren drei der Leitfragen der Tagung „Digitalisierung in Museen“, auf der sich rund 60 Mitglieder des Museumsverbands Sachsen-Anhalt trafen. Zu dieser Veranstaltung sind ausführliche und interessante Nachberichte erschienen. Der Beitrag im Blog „Kultur Museum Talk“ fasst die wichtigsten Thesen außerdem bequem zusammen.
„Digitalisierung – Chance für Museen und Kultureinrichtungen“ (Kultur Museum Talk, 3.3.):
http://www.tanjapraske.de/wissen/lehre/digitalisierung-chance-fuer-museen-und-kultureinrichtungen/ „‚Digitalisierung in Museen‘ – Fachtagung des Museumsverbands Sachsen-Anhalt e.V. – Teil 1“ (KulturN):
http://netzwerk.regialog.de/digitalisierung-in-museen-fachtagung-des-museumsverbands-sachsen-anhalt-e-v-teil-1/ „‚Digitalisierung in Museen‘ – Fachtagung des Museumsverbands Sachsen-Anhalt e.V. – Teil 2“ (KulturN):
http://netzwerk.regialog.de/digitalisierung-in-mueseen-fachtagung-des-musumsverbands-sachsen-anhalt-e-v-teil-2/

5.2.
Zehn Museen und Ausstellungshäuser mit empfehlenswerten
Instagram-Auftritten
Die Presse- und Marketingabteilungen der Museen finden nichts falsch daran, über Präsenz in den Sozialen Medien Aufmerksamkeit zu erzeugen, schreibt Anika Meier in „monopol“: „Kommen keine oder zu wenig Besucher, droht schon mal die Schließung des Museums. Da ist es nicht verkehrt, wenn die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit nicht nur den Bildungsbürger ansprechen will“, der zwei Stunden mit den Armen verschränkt hinter dem Rücken sinnierend das Museum durchschreite und brav mit dem Katalog unter dem Arm wieder nach Hause gehe. Meier empfiehlt zehn Museen, denen man auf Instagram folgen sollte. Allesamt sind das Kunstmuseen, aber wer sich einen Eindruck von den Möglichkeiten des Online-Dienstes verschaffen will, ist mit diesem Blick über den Tellerrand bestens beraten. Anika Meier: „Museen auf Instagram“ (monopol, 1.3.):
http://www.monopol-magazin.de/kreativitaet-kennt-keine-grenzen

5.3.
Freier Eintritt für Museen?
Ob der Eintritt in Museen generell kostenfrei sein sollte, wird kontrovers diskutiert. Die Einen glauben, was nichts koste, sei dem Bürger auch nichts wert. Anderswo, gerade z. B. in Großbritannien, hilft der freie Eintritt, viele Bürger ins Museum zu holen und damit Kultur, Kunst un Wissenschaft zu Bestandteilen ihres Lebens zu machen. Eine aktuelle Sammlung wichtiger Debatten zum Thema sind jetzt bei kulturimweb.net gesammelt.
http://kulturimweb.net/2016/03/09/newsletter-9-maerz-2016/

5.4
Bedenkenswertes zum Digitalen im Museum
Unter dem Titel „Analoge Kunst im digitalen Raum – Schwarzes Quadrat in Pixelform“ beschäftigt sich Sonja Gasser, Doktorandin im Schwerpunkt „Digitale Kunstgeschichte“ an der LMU München, mit dem Stand und den Perspektiven digitaler Präsentationen von Kunstmuseen. Ihrer Meinung nach sollte es nicht dabei belassen bleiben, einfach digitale Abbilder der Bestände – einem Inventar ähnlich – ins Netz zu stellen. Das Reizvolle und Weiterführende sei, dass im Digitalen Veränderungs-, Verknüpfungs- und Ergänzungsmöglichkeiten bestünden, die mit den Originalen nur schwer erreicht werden könnten. In ihrem Aufsatz in der Schweizer Zeitschrift „Kunstbulletin“ mustert Sonja Gasser einige der bestehenden innovativen Angebote durch. Ein lesens- und bedenkenswerter Beitrag, der auch auf archäologische Museen übertragbar ist.
Gasser, S. (2016). Analoge Kunst im digitalen Raum – Schwarzes Quadrat in Pixelform. Kunstbulletin 2016(4):
http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=160311103825YOR-2

6. Open Access & Open Data
6.1.
Westfälische Archäologie wendet sich dem Open Access zu
Die westfälische Landesarchäologie stellt ihre jüngsten
Zeitschriftenausgaben neu in den Open Access. Die seit 2009 jährlich im letzten Quartal erscheinende Publikumszeitschrift „Archäologie in Westfalen-Lippe“ ist zunächst wie bisher in der Druckausgabe erhältlich. Ein Jahr später wird sie auf der bewährten OJS-Plattform bei der UB Heidelberg zusätzlich online im Open Access verfügbar gemacht. Im Archiv stehen z. Zt. die fünf Jahrgänge 2009 (2010) bis 2013 (2014). Die seit 1984 erscheinende wissenschaftliche Zeitschrift „Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe“ erscheint mit dem neuen Band 12 (2015) im gleichen Modus wie die Archäologischen Informationen der DGUF: Unmittelbar nach Fertigstellung der einzelnen Aufsätze werden diese online im Open Access publiziert, wiederum mit der UB Heidelberg als Partner – ein Peer Review ist allerdings nicht vorgesehen. Später werden die Aufsätze gebündelt auch in einer Druckausgabe herausgegeben, wobei eine Printversion etwa alle zwei Jahre geplant ist. Derzeit ist der Ende Dez./Anf. Januar erschienene Band 12 (2015) im Open Access verfügbar, ältere Bände tauchen im Archiv noch nicht auf.
Archäologie in Westfalen-Lippe:
http://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/aiw/index
Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe:
http://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/afwl/index

6.2.
Open Access als Mittel der Auflösung fachlicher Identitäten und Hinwendung zur Transdiziplinarität
Eine persönliche Bewertung der Konsequenzen von Open Access als notwendigem Bestandteil der aufkommenden Digital Humanities gibt der Wiener Neuzeithistoriker Wolfgang Schmale in seinem Blog. In lesenswerten 14 Thesen entwickelt und begründet er seine Vorstellung, dass am Prinzip Open Access weniger die ethische Komponente „freies Wissen für alle“ bedeutend sei, sondern mehr die möglichen Auswirkungen des Open Access auf transdisziplinäres Forschen und Denken. So klug und berechtigt manche seiner Thesen sein mögen, so eng bleiben sie im Bereich abgehobener und weitgehend folgenloser Geisteswissenschaften gefangen. Dass Open Access auch Open Data umfasst und Daten und Fakten eben keine Konstrukte sind, Forschung eben nicht allein auf Verknüpfung und Kreativität beruht, gerät ihm aus dem Blickfeld. Dennoch lesens- und bedenkenswert, denn in der laufenden Debatte um Open Access und Digital Humanities gilt es, Praktiken und Positionen zu debattieren und weiterzuentwickeln. Wolfgang Schmale: „Open Access und das Autoritative in den Humanities“ (Blog „Mein Europa“, 12.3.): http://wolfgangschmale.eu/open-access/

6.3.
Empfehlung zur umfassenden Transformation des wissenschaftlichen Publikationswesens
Die „Ad-hoc-AG Open-Access-Gold im Rahmen der Schwerpunktinitiative ‚Digitale Information‘ der Allianz der deutschen
Wissenschaftsorganisationen“ hat im März ihre Empfehlungen vorgelegt. Mag die Bezeichnung „Ad-hoc-Arbeitsgruppe“ noch improvisiert klingen, macht die Liste der Autoren und Mitwirkenden deutlich, dass hier Delegierte der führenden Universitätsbibliotheken und Forschungsinstitutionen in Deutschland ihre Empfehlungen zum Open Access vorlegen. Genauer: zum Goldenen Open Access, also jener Variante der Open-Access-Publikation, bei der ohne Schutzfrist unmittelbar im Open Access veröffentlicht wird, allerdings unter Abrechnung der Publikationskosten (APCs, Article Processing Charges) entweder gegenüber den Autoren oder ihrer Institution. Die Kommission empfiehlt dem Wissenschaftsbetrieb in Deutschland, sich grundlegend vom bisherigen Abonnementsmodell wissenschaftlicher Zeitschriften (Subskriptionszeitschriften; Closed Access) ebenso zu verabschieden wie vom Modell der Hybriden Zeitschriften, also jenen Subskriptionszeitschriften, bei denen gegen Gebühr einzelne Artikel in den Open Access freigekauft werden können. Sie empfiehlt die umfassende Transformation des wissenschaftlichen Publikationswesens in den Goldenen Open Access, bei dem das Lesen der Beiträge für jedermann frei und ohne Schutzfrist zugänglich ist. Sie empfiehlt den
Forschungsinstitutionen und Bibliotheken, durch Verhandlungen mit Verlagen und die Einrichtung von Publikationsfonds die bisherigen Abonnements aufzulösen und statt dessen die Publikationsgebühren (APCs) pauschal zu übernehmen oder alternativ für ihre Institutionen sog.
Offsetting-Verträge mit Verlagen abzuschließen. Mit solchen Verträgen erwerben Institutionen umfassende freie Lese-Zugriffsrechte auf Zeitschriften für alle Mitglieder ihrer Institutionen, was letztlich dem bisherigen Abonnements-Modell sehr nahe kommt. Die Kommission sieht in solchen Offsetting-Verträgen ein Instrument, den anstehenden Wandel zu fördern und zu beschleunigen, weil sie eng an bisherige Strukturen anknüpfen und im Grunde den etablierten Verlagen ein ähnliches Geschäftsmodell und ähnliche Einnahmen wie bislang einräumen. Die Empfehlungen verdeutlichen, dass der Wandel des wissenschaftlichen Publikationswesens in Deutschland (wie in Europa) in Richtung auf Open Access beschlossen ist; sie zielen auf die praktische Umsetzung, nicht mehr auf die Frage des ob. Zugleich aber zeugen sie vom Fortbestehen einer die Open-Access-Debatte auszeichnenden Betriebsblindheit zu drei wesentlichen Aspekten: (a) Monografien, die in den Geisteswissenschaften weiterhin eine zentrale Rolle im Publikationswesen spielen, werden in den Empfehlungen nicht bedacht. (b) Für Zeitschriften, die wie die „Archäologischen Informationen“ bereits jetzt im Platinum Open Access publizieren (d. h. ohne APCs), werden keine Finanzierungsmodelle bedacht. Die Empfehlungen sind vielmehr bemüht, den großen und bislang sperrigen Wissenschaftsverlagen im Wortsinne goldene Brücken zu bauen. Dabei wird übersehen, dass auch die eigentlichen Pioniere ein nachhaltig tragfähiges Finanzierungsmodell benötigen. (c) Das empfohlene Hinnehmen von Offsetting-Verträgen an Stelle der konventionellen Abonnements und des Goldenen Open Access übersieht, dass solche Verträge stets nur für die Mitarbeiter eben dieser Institutionen gelten, und damit die Bürger und die freischaffenden Wissenschaftler ohne institutionelle Anbindung vom Zugriff auf zahlreiche Publikationen ausschließen. Daher taugen die Empfehlungen allenfalls als Beschreibung eines Ist-Zustandes und Handreichung zum kurzfristigen taktischen Verhalten der Institutionen, nicht als nachhaltig langfristiges Strategiepapier.
Ad-hoc-AG Open-Access-Gold im Rahmen der Schwerpunktinitiative „Digitale Information“ der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen (Hrsg.) (2016). Empfehlungen zur Open-Access-Transformation. Strategische und praktische Verankerung von Open Access in der Informationsversorgung wissenschaftlicher Einrichtungen. März 2016:
http://goedoc.uni-goettingen.de/goescholar/handle/1/12962

6.4.
EU-Kommission legt Bericht zu Open Data vor
Die Europäische Kommission hat ihren Abschlussbericht vorgelegt, der die Implementierung von Open Access und Open Data in der europäischen Forschungslandschaft untersucht. Der Bericht moniert, dass zwar europaweit die Hinwendung zum Open Access erfolgt sei, das Problembewusstsein und die Bemühungen um Open Data, d. h. die den Forschungen und Publikationen zu Grunde liegenden Daten und Informationen, seien jedoch unterentwickelt. Weiterhin fehle es in vielen Staaten an hinreichenden Aktivitäten, die auf Open Data zielen.
European Commission (2015). Access to and Preservation of Scientific Information in Europe. Report on the implementation of Commission Recommendation C(2012) 4890 final:
http://bookshop.europa.eu/en/access-to-and-preservation-of-scientific-information-in-europe-pbKI0215993/?CatalogCategoryID=Gj0KABst5F4AAAEjsZAY4e5L

7. Bürger und Archäologie / Citizen Science
7.1.
Bayern unterstützt Citizen Science in der Archäologie – ein Aufsatz von S. Mayer und R. Obst
Citizen Science – das Mitwirken von Bürgern an Forschungsprojekten oder gänzlich von Bürgern getragene Forschungsprojekte – und deren Zusammenwirkung mit professioneller Forschung sind ein ebenso notwendiges wie schwieriges Feld. So beschreibt es der Experte Peter Finke in seinem vielgelesenen Klassiker (2014). Wenig wahrgenommen von Finke und der aktuellen Debatte unter Wissenschaftstheoretikern und -managern um dieses Thema (und um das Buch von Finke) ist die Tatsache, dass sich die heimische Archäologie erst vor wenigen Generationen erfolgreich aus einer Citizen Science heraus professionalisiert hat und weiterhin einen sehr lebendigen Zweig umfasst, der auf bürgerschaftlichem Engagement beruht. Indes: dieses bürgerschaftliche Engagement in der Archäologie ist in einem starken Wandel begriffen (Stichwort: vom Sammler zum Sondengänger) und bedarf der Unterstützung und Anbindung an die professionelle Ur- und Frühgeschichtsforschung und Bodendenkmalpflege. Christoph Huth, Professor für Urgeschichte an der Universität Freiburg, hat unlängst darauf aufmerksam gemacht, welch reiches Wissen in Großbritannien dank des PAS aus der Kooperation von Sondengängern und Fachwelt hervorgehen kann (Huth 2013) – ein Beitrag, an den sich eine vielstimmige Fachdebatte u. a. in den Archäologischen Informationen Jg. 36-38 (2013-2015) anschloss. Nun stellen Sabine Mayer und Ralf Obst ein seit 2009 erprobtes und 2012 institutionalisiertes Modellprojekt in Bayern vor, in dessen Folge zwei fest angestellte Wissenschaftler damit beauftragt sind, Bürgerprojekte zur bayerischen Archäologie zu unterstützen, zu fördern und zu begleiten. Der Beitrag legt das Konzept, die Arbeitsweise und die ersten Erfolge so eingehend dar, dass Early Adapters hier eine praxisbewährte Handlungsempfehlung vorfinden.
Finke, P. (2014). Citizen Science: Das unterschätzte Wissen der Experten. München: oekom Verlag.
Huth, Chr. (2013). Vom rechten Umgang mit Sondengängern: Das „Portable Antiquities Scheme“ in England und Wales und seine Folgen. Archäologische Informationen 36, 2013, 129-137.
http://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/arch-inf/article/view/15327 Mayer, S. & Obst, R. (2016). Bodendenkmalpflege und Ehrenamt in Bayern – Ein Beispiel für eine erfolgreiche Kooperation. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 27. Febr. 2016. http://www.dguf.de/index.php?id=9

7.2.
Neugier wecken: Gute Fotos und Videos für eine erfolgreiche
Crowdfunding-Kampagne
Auf jeder Crowdfunding-Plattform ist ein Video ein Muss, und mancher potenzielle Unterstützer hat schon geäußert, dass er zunächst das Video spannend finden muss, um sich überhaupt weiter über das vorgeschlagene Projekt informieren zu wollen. Es ist also ratsam für jeden Archäologen, sich für das Bildmaterial Zeit zu nehmen. In Videos seien die ersten 30 Sekunden entscheidend, die Gesamtlänge solle drei Minuten nicht überschreiten. Bei Fotos solle man auf Collagen und Logos besser verzichten. Das und mehr erfahren wir im SciencestarterLab #5, einem knapp achtminütigen Video. „Sciencestarter“, eine Plattform für Wissenschafts-Crowdfunding, gibt darin wertvollen Rat für erfolgreiche Kampagnen. Sehenswert, auch wenn man seine Kampagne nicht bei Sciencestarter durchführen möchte. An jedem letzten Donnerstag im Monat gibt es ein weiteres Video mit gutem Tipps. Hingewiesen sei hier neben einem Beitrag von Volker Arnold zu Erfahrungen mit „Sciencestarter“ auch auf einen Mitte Februar erschienen Artikel in „PLoS Biol“, der die wichtigsten Tipps für eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne zusammenfasst.
„SciencestarterLab #5 – Bilder und Videos“ (26.2.):
https://www.sciencestarter.de/Blog/Blog-Detailseite/b/SciencestarterLab-5-Bilder-und-Videos-1123 Die Reihe „SciencestarterLab“:
https://www.sciencestarter.de/Infos/sciencestarterlab.html
Arnold, V. (2015). Crowdfunding mit Sciencestarter.de – ein persönlicher Erfahrungsbericht mit einem archäologischen Projekt. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 23. Nov. 2015.
http://www.dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Arnold.pdf
Vachelard J, Gambarra-Soares T, Augustini G, Riul P, Maracaja-Coutinho V (2016) A Guide to Scientific Crowdfunding. PLoS Biol 14(2): e1002373. doi:10.1371/journal.pbio.1002373:
http://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371%2Fjournal.pbio.1002373

7.3.
Dokumentation zum Workshop „Der Bürger und die Wissenschaft“ (Berlin, 15.-16.1.)
Jeder spricht über „Citizen Science“, doch wie sieht Bürgerbeteiligung in der Wissenschaft konkret aus? Welche Methoden, welche Formen gibt es? Wo sind Grenzen? Was ist der Unterschied zwischen Bürgerbeteiligung an Forschungspolitik, Citizen Science und Open Innovation? Mitte Januar kamen in Berlin auf Einladung von „Wissenschaft im Dialog“ Vertreter aus Wissenschaft, Wissenschaftskommunikation sowie Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um Fragen rund um die Beteiligung von Bürgern und der Zivilgesellschaft an Wissenschaft und Forschung zu diskutieren. In seiner Keynote zeigte Prof. Dr. Ortwin Renn (Universität Stuttgart), dass erfolgreiche Partizipation echte Optionen aufzeigen muss und man Information nicht als Beteiligung verkaufen darf. Intensive Diskussionen machten deutlich, unter welchem Spannungsverhältnis die Wissenschaft zwischen Legitimation und Freiheit steht. Nun ist eine ausführliche Dokumentation der Veranstaltung im Netz abrufbar.
http://www.wissenschaft-im-dialog.de/medien/publikationen-fotos-videos/der-buerger-und-die-wissenschaft/

7.4.
Ein Sondengänger erklärt: So macht man eine Fundmeldung
In seinem YouTube-Kanal „German Treasure Hunter“ erklärt der genehmigte Sondengänger Carsten Konze, was eine Fundmeldung ist und wie man sie macht. Das Video nimmt einen konkreten Sondenfund – einen
mittelalterlichen Schlüssel – zum Ausgangspunkt und geht an diesem Beispiel im Gespräch mit Petra Tutlies M.A., Leiterin der Außenstelle Nideggen des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege, durch, welche Angaben bei der Meldung ans Fachamt sehr erwünscht sind. Anschließend legen Konze und Tutlies im Gespräch dar, was die Wissenschaftler im Amt nach der Fundmeldung mit dem Objekt und der Meldung machen, warum solche Fundmeldung durch interessierte Bürger für die Amtsarchäologie wichtig sind, und wie es angesichts des Schatzregals in NRW um den weiteren Verbleib der gemeldeten Objekte steht.
„Tutorial – Fundmeldung für Sondengänger / Schatzsucher“ (German Tresaure Hunter, 17.3,; Video, 18:54 Min.):
https://www.youtube.com/watch?v=dXfjn9tkqVk

7.5.
Strategiepapier für eine Citizen-Science-Strategie 2020 für Deutschland vorgestellt
Citizen Science bezeichnet die aktive, ehrenamtliche Beteiligung von Bürgern im Forschungsprozess in den Geistes-, Natur- und
Sozialwissenschaften. Das Verständnis, die Bedarfe und Potenziale von Citizen Science vorstellen will ein „Grünbuch Citizen Science Strategie 2020 für Deutschland“, das am 16.3. vom BMBF-Projekt „BürGEr schaffen WISSen – Wissen schafft Bürger“ (GEWISS) herausgegeben wurde. Es basiert auf einer umfangreichen Reihe von Dialogforen mit insgesamt mehr als 700 Teilnehmenden aus 350 Organisationen, ergänzt von einer bundesweiten Online-Konsultation und Positionspapieren. Zu den Kernfragen gehören: Wie kann eine Citizen Science-Strategie für Deutschland aussehen? Welche Ziele und Möglichkeiten müssen darin formuliert sein? Wie können die Bedingungen in der deutschen Forschungslandschaft dahingehend verbessert werden, dass sich mehr Menschen an der Forschung beteiligen? „Um Citizen Science in Deutschland zu stärken, müssen Leistungen mehr anerkannt werden, die von Bürgern und Forschern gemeinsam erarbeitet wurden“, sagte Dr. Katrin Vohland, Museum für Naturkunde Berlin und eine der Projektleiterinnen, anlässlich der Veröffentlichung des Grünbuchs. Das Papier gibt einen gut lesbaren, raschen Überblick über aktuelle Entwicklungen und einen Ausblick auf die beabsichtigten Entwicklungen bis 2020.
GEWISS: „Grünbuch Citizen Science Strategie 2020 für Deutschland“ (16.3.):

8. Und sonst …
8.1.
Far Cry Primal: „Story irgendwo zwischen Hollywood-Mystik und wilder Pillenparty“
Seit Anfang März gibt es das Videospiel „Far Cry Primal“ (Ubisoft) für Microsoft Windows, bereits seit Jahresbeginn für die Konsolen PS4 und Xbox One. Das Setting spielt irgendwann im Mesolithikum, nach dem Ende der Eiszeit, jedenfalls um 10.000 BC. Drei am Protoindoeuropäischen orientierte fiktive Dialekte wurden dafür von zwei Linguisten entwickelt. Spieler nehmen die Rolle des Jägers Takkar ein, einem Mitglied des Stammes der Wenja. Takkar hat sich in einer fremden und gefährlichen Umgebung verirrt und muss nun diverse Abenteuer bestehen. Unter Spieleentwicklern wird „Primal“ recht positiv bewertet, auch gehört das Spiel bisher zu den bestverkauften des Jahres. Der „Tagesspiegel“ lobt die Szenerien: „Man wird immer wieder von kleinen Details überrascht, von der faszinierenden Schönheit eingenommen, von Bächen, in deren Oberfläche sich der Mond spiegelt, von Glühwürmchen, die im Dunkeln leuchten, der Sonne, die über den schneebedeckten Bergen aufzieht.“ Kritik wird allerdings laut im Hinblick auf eine realitätsnahe Darstellung. So wirkten die Menschen „stellenweise wie ein recht wahllos
zusammengestellter Haufen Steinzeit-Druffis auf einer fetten Goa-Party. Alle krabbeln sie am Boden, tanzen irre durch die flackernden Höhlen“, schreibt die Computer BILD. Die Story irrlichtere irgendwo zwischen Hollywood-Mystik und wilder Pillenparty. Auf dem im Februar eröffneten YouTube-Kanal ArchaeoGames werden Spiele aus dem Blickwinkel der Archäologie betrachtet: zwei Folgen zu „Primal“ eröffnen den Kanal. Offizieller Trailer Far Cry Primal:
https://www.youtube.com/watch?v=LJ2iH57Fs3M
Far Cry Primal: Gameplay Walkthrough mit Jean-Christophe Guyot, Kreativdirektor von Far Cry Primal, und Maxime Beland, Kreativdirektor bei Ubisoft Toronto: https://www.youtube.com/watch?v=kM47aBj6f0g „‚Far Cry Primal‘ im Test: Und jährlich grüßt der Säbelzahntiger“ (Tagespiegel, 1.3.):
http://www.tagesspiegel.de/medien/digitale-welt/far-cry-primal-im-test-und-jaehrlich-gruesst-der-saebelzahntiger/13035628.html „Far Cry – Primal: Das Feuer erlischt“ (Computer BILD, 22.2.): http://www.computerbild.de/artikel/cbs-Test-PC-Far-Cry-Primal-13654859.html YouTube-Kanal ArchaeoGames:
https://www.youtube.com/channel/UCXdhkqFzTItgW3gVfcpYOoA
Rekonstruktion von Sprache bei Far Cry Primal: „Nicht die geringste Ahnung, wie sie ja sagten“ (Die Welt, 26.2.):
http://www.welt.de/kultur/article152671332/Nicht-die-geringste-Ahnung-wie-sie-ja-sagten.html „Spiele im Test: ‚Far Cry Primal‘ bringt frischen Wind in das Ego-Shooter-Genre“ (Allgemeine Zeitung, 19.3.):
http://www.allgemeine-zeitung.de/vermischtes/journal/spiele-im-test-far-cry-primal-bringt-frischen-wind-in-das-ego-shooter-genre_16739685.htm „Spiel Far Cry Primal: Mammutjagd im Ego-Shooter“ (Spiegel, 22.2.):
http://www.spiegel.de/netzwelt/games/far-cry-primal-fuer-playstation-4-xbox-one-und-pc-im-test-a-1078633.html „A brief note on archaeology and video-games: University of York plays Far Cry Primal on Twitch“ (Gamingarchaeo, 7.3.):
http://blog.taracopplestone.co.uk/a-brief-note-on-archaeology-and-video-games-uoy-plays-farcry-primal-on-twitch/

8.2.
Archäologie angemessen kommunizieren: „Leitlinien zur guten
Wissenschafts-PR“ veröffentlicht
Wer Archäologie in die Massenmedien bringen will, ist Versuchungen ausgesetzt: Superlative, beispielsweise, machen Schlagzeilen wahrscheinlicher – und viel Präsenz in den Medien ist für die Zukunft des Forschungsprojekts oder der Institution wichtig. So entsteht manche Pressemeldung, der zufolge „die Geschichte neu geschrieben werden muss“, und ein „Jahrhundertfund“ jagt fast im Jahrestakt den nächsten. „Der Journalismus verliert aufgrund schwindender Ressourcen die Möglichkeit, die Verlässlichkeit von Informationen kritisch zu überprüfen“, warnen die „Leitlinien zur guten Wissenschafts-PR“, welche „wissenschaft im dialog“ jetzt veröffentlicht hat. Aus einem geschwächten
Wissenschaftsjournalismus leiten die Autoren der Leitlinien einen höheren Anspruch an die Wissenschaft ab: „Gleichzeitig hat Wissenschafts-PR immer mehr Möglichkeiten, über das Internet und soziale Medien, in Veranstaltungen oder Ausstellungen direkt die Bürgerinnen und Bürger zu erreichen. Damit wachsen die Ansprüche an die Verständlichkeit und Qualität der bereitgestellten Informationen und Dienstleistungen.“ Die Leitlinien bieten einige konkrete und unbedingt beherzigenswerte Eckpunkte, beispielsweise dass gute Wissenschafts-PR faktentreu arbeitet, „sie übertreibt nicht in der Darstellung der Forschungserfolge“. Eine beigefügte Checkliste antizipiert Fragen, die Journalisten oder informierte Bürger an die Wissenschaft stellen können. Auch hinsichtlich des Verhältnisses von Archäologie und Bürgern sind die Leitlinien wertvoll. So heißt es in der Präambel: „Immer mehr Menschen sehen sich nicht nur als Nutzer oder Rezipienten, sondern als Akteurinnen und Akteure. Sie wollen Einfluss nehmen. Die sozialen Medien bieten ihnen dazu effektive Instrumente. Ob in Blogs, Diskussionsforen, Bürgerinitiativen oder Citizen-Science-Projekten.“ Diese recht neue Macht der Bürgerinnen und Bürger hat Auswirkungen: Sie „können Wissenschaft befördern und verhindern, Vertrauen bilden oder entziehen. Damit kommt verlässlichen Informationen von und über Wissenschaft eine immer größere Bedeutung zu. Entsprechend groß ist die Verantwortung der vielfältigen Akteurinnen und Akteure, die Wissenschaft kommunizieren.“ Entsprechende Aussagen finden sich übrigens auch in den „Tübinger Thesen zur Archäologie“ der DGUF: Die 4. These lautet: „Archäologie darf nicht durch
Medientauglichkeit gesteuert werden“, These 5 steht unter der Überschrift: „Kommunikation in den Sozialen Medien verbessert die öffentliche Diskussion von Archäologie“
„Finale Version der ‚Leitlinien zur guten Wissenschafts-PR‘
veröffentlicht“ (wissenschaft im dialog, 16.3.):
http://www.wissenschaft-im-dialog.de/trends-themen/blogartikel/beitrag/finale-version-der-leitlinien-zur-guten-wissenschafts-pr-veroeffentlicht/ „Tübinger Thesen zur Archäologie“ der DGUF:
http://www.dguf.de/index.php?id=382

8.3.
„Crash Course World History“: Geschichte (und US-amerikanisches Englisch) auf YouTube lernen
Der YouTube-Kanal „Crash Course World History“ bietet in einer Folge von 42 jeweils etwa zehn- bis 15-minütigen Clips eine Einführung in die Weltgeschichte. Darunter sind auch Themen wie die Neolithische Revolution, der Untergang Roms oder die Frage „was macht Zivilisationen aus?“. Die im Jahr 2012 produzierte Reihe ist mit zwei bis vier Millionen Abrufen pro Video ausnehmend erfolgreich, so dass 2014/15 eine zweite Staffel World History 2 mit 30 weiteren Clips produziert wurde. Der Produzent und Sprecher John Green, ein Schriftsteller und Videoblogger, trägt die Texte lebendig und sehr schnell vor, das erfordert hohe Konzentration und schult europäische Ohren in US-amerikanischem Englisch. Die Inhalte sind – soweit die Newsletter-Redaktion in die Videos hingeschaut hat – keinesfalls flach. Vielmehr werden eine lockere Art der Darstellung und eine junge Sprache mit hoher Informationsdichte und seriösen Inhalten verbunden. Sehenswert!
„The Agricultural Revolution (Crash Course World History)“ (YouTube, 26.1.2012; 11:10 Min.):
https://www.youtube.com/watch?v=Yocja_N5s1I&list=PLBDA2E52FB1EF80C9 „Fall of The Roman Empire… in the 15th Century“ (Crash Course World History)“ (YouTube, 12.4.2012; 12:43 Min.):
https://www.youtube.com/watch?v=3PszVWZNWVA

8.4.
Offenes Peer Review als besseres Instrument der Qualitätskontrolle bei wissenschaftlichen Publikationen?
Die in Deutschland gegründete und beheimatete Plattform ScienceOpen hostet mehrere Open-Access-Zeitschriften. Sie finanziert sich durch APCs, d. h. Autoren bezahlen für die Publikation. In einer Folge von mehreren Artikeln beschäftigt sich dort Jon Tennant mit dem anonymen Peer Review, der insbesondere in den Naturwissenschaften und der Medizin fest etablierten Art der Qualitätskontrolle wissenschaftlicher Publikationen. Das Verfahren steht aber immer wieder in der Kritik, u. a. weil es aufwändig ist. So rechnete das Blog Rubriq vor, dass allein im Bereich der englischsprachigen Zeitschriften zu Medizin und Naturwissenschaften jährlich mehr als 15 Millionen Arbeitsstunden von Reviewern in später abgelehnte Beiträge flössen. Auch qualitativ ist das bestehende System trotz guter Regelwerke (Hames, 2008) nicht perfekt: Immer wieder schlüpfen schlechte Artikel erfolgreich durch das Peer Review, und oft werden Artikel abgelehnt, die eine Publikation verdient hätten, wobei neben Nachlässigkeit der Reviewer auch Unfairness und miteinander um Forschungsmittel konkurrierende Netzwerke eine Rolle spielen. Daher plädiert Tennant für transparente Formen des Peer Review, bei denen zumindest der Review-Prozess wie auch die Namen der Reviewer veröffentlicht werden sollten. Nachdenken solle man auch über Review-Verfahren, bei denen die Reviews offen gelegt werden (sog. Open Peer Review). Noch radikaler hatte es Hubertus Kohle auf der DGUF-Tagung 2014 in Berlin formuliert: „Publish first, filter later“ – die Debatte und Bewertung von wissenschaftlichen Aufsätzen könne auch nach ihrer Erstpublikation stattfinden.
Tennant, J. (2016). Should peer review reports be published? ScienceOpen.com (4.2.2016):
http://blog.scienceopen.com/2016/02/should-peer-review-reports-be-published/ „How we found 15 million hours of lost time“ (Rubriq, 3.6.2013): https://blog.rubriq.com/2013/06/03/how-we-found-15-million-hours-of-lost-time/ Hames, I. (2008). Peer review and manuscript management in scientific journals: Guidelines for good practice. Malden: Blackwell.
Kohle, H. (2015). Publish first – filter later. Über den Prozess der Qualitätsbewertung im Open Access. Archäologische Informationen 38, 2015, 109-112.
http://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/arch-inf/article/view/26154

8.5.
Eine wohlüberlegte Haltung einbringen: Rainer Schreg über sein Blog „Archaeologik“
Das am 17.11.2010 von Rainer Schreg, der hauptberuflich am RGZM Mainz tätig ist, begründete Blog „Archaeologik“ wurde unlängst zum „Wissenschafts-Blog des Jahres 2015“ gewählt (DGUF-Newsletter vom 22.2.2016 Punkt 5.2.). Es dürfte mit acht bis 18 Beiträgen pro Monat und – nach eigenen Angaben – etwa 7.500 Zugriffen pro Monat das derzeit am meisten gelesene Archäologie-Blog in Deutschland sein. Auf der DGUF-Jahrestagung 2015 in Tübingen berichtete Rainer Schreg über die Geschichte des Blogs und seine Erfahrungen als Blogger. Sein überarbeiteter Vortrag wurde nun als Early View in den Archäologischen Informationen publiziert. In erfrischender Ehrlichkeit skizziert Schreg, wie ungeplant und in den Social Media unerfahren er das Blog vor mehr als fünf Jahren startete und welche Resonanz es erfuhr. Seine heutigen Erfahrungen als Blogger und seine Haltung als Wissenschaftler fasst er in sechs Thesen zusammen, die in Summe besagen, dass Bloggen heutzutage s. E. sehr wichtig ist. Schreg hält eine öffentliche Präsenz von
wissenschaftlich seriösen Äußerungen und von Wissenschaftlern für notwendig. Wissenschaftliche Publikationen erreichten die breite Öffentlichkeit nicht, weshalb es ergänzend anderer Kommunikationsformen bedürfe. Bloggen ist s. E. ein sehr erfolgreicher Weg, ohne den Umweg über und die Abhängigkeit vom Wissenschaftsjournalismus eine breite öffentliche Wahrnehmung zu erreichen. Dabei sei es wichtig, glaubwürdig zu sein, eine wohlüberlegte Haltung einzubringen und auf
Sensationshascherei zu verzichten.
Schreg, R. (2016). Archaeologik – Erfahrungen mit einem
Wissenschaftsblog. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 4. März 2016. http://www.dguf.de/index.php?id=9

8.6.
Bundesverfassungsgericht: Akkreditierungsverfahren von Studiengängen in NRW sind verfassungswidrig
Seit der Bologna-Reform müssen Bachelor- und Masterstudiengänge „akkreditiert“ werden, d. h. sich einer Überprüfung durch
hochschulexterne Agenturen stellen, und dann wieder in regelmäßigen Abständen re-akkreditiert werden. In seinem Beschluss vom 17.2., publiziert am 18.3., hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, das die Praxis in NRW verfassungswidrig ist und der Gesetzgeber in NRW bis zum 1.1.2018 neue, verfassungskonforme Regelungen zur Qualitätssicherung treffen müsse. Da die Gesetzesgrundlagen und die Akkreditierungsverfahren in den anderen Bundesländern jenen in NRW durchaus ähnlich sind, betrifft das Urteil im Grunde das gesamte Akkreditierungswesen in Deutschland. Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, kommentierte das Urteil in einem Interview im Deutschlandfunk am 21.3.: „Diese Form der Akkreditierung wird es so nicht mehr geben“. Eine Lösung könnte darin bestehen, dass – im Sinne der gesetzlich garantierten Wissenschaftsfreiheit – die Hochschulen in Selbstverantwortung eigene Einrichtungen und Verfahren zur Qualitätssicherung schaffen müssen. Bundesverfassungsgericht: „Wesentliche Entscheidungen zur Akkreditierung von Studiengängen muss der Gesetzgeber selbst treffen“ (Pressemitteilung 15/2016 vom 18.3.):
http://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2016/bvg16-015.html Bologna-Reform: „Diese Form der Akkreditierung wird es so nicht mehr geben“ (Deutschlandfunk, 21.3.):
http://www.deutschlandfunk.de/bologna-reform-diese-form-der-akkreditierung-wird-es-so.680.de.html?dram%3Aarticle_id=349015 „Studiengang-Akkreditierung: Teurer Blödsinn“ (FAZ, 22.3.):
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/die-akkreditierung-deutscher-studiengaenge-14138272.html

8.7.
Über die strukturelle Unterfinanzierung der Digital Humanities in Kalifornien
Ein Blogbeitrag von Miriam Posner, Koordinatorin der
Digital-Humanities-Aktivitäten am UC Los Angeles, gibt einen interessanten Einblick in die Finanzierung dieses stark aufblühenden Bereichs in Kalifornien. Warum eigentlich, zürnt sie in ihrem Beitrag, wird etwas so Wichtiges so improvisiert und strukturell unterfinanziert aufgesetzt? Sie beschreibt die Digital-Humanities-Aktivitäten als getragen von Post-Docs, befristet für Projekte Eingestellten und Menschen, die anderweitig beschäftigt sind und nur mit eng umrissenen Teilkapazitäten für Digital-Humanities-Projekte abgestellt sind. Offenbar bestehe in vielen Köpfen – angeregt durch die alltägliche Nutzung scheinbar kostenloser Software – der Eindruck, IT ließe sich projektbasiert ohne dauerhafte Finanzierung und Strukturen aufbauen und erhalten. Wer so denke, mache sich abhängig von der Industrie, die nur das fördere und erhalte, an dem sie Geld verdienen könne. Weder ließen sich so die spezifischen Digital-Humanities-Bedürfnisse der
Geisteswissenschaften abdecken, noch nachhaltige Strukturen gewinnen. Eine Beschreibung des Ist-Zustandes in Kalifornien, der zum Vergleich mit Deutschland einlädt.
Posner, M. (2016). Money and Time. Miriam Posner’s Blog (14.3.): http://miriamposner.com/blog/money-and-time/

8.8.
Lesenswert: Bericht vom Workshop „Bedeutung, Chancen und Risiken der sozialen Medien für die Wissenschaftskommunikation“ (Berlin, 18.3.) Die Akademien-Arbeitsgruppe „Kommunikation zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Medien“ stellte am 18.3. in einem öffentlichen Workshop bisherige Ergebnisse ihrer Arbeit vor. Lesenswert ist der Nachbericht von Reiner Korbmann, der beleuchtet, wie schwer sich Wissenschaft – hier die Kommunikationswissenschaft – damit tut, die Folgen eines Medien- und Gesellschaftswandels zu verstehen. Es seien munter die wissenschaftsinterne und -externe Kommunikation vermengt worden. Deutlich sei die Sehnsucht nach einer „Qualitätskontrolle“ in Sozialen Medien angeklungen und meine damit eher die Darstellung aus wissenschaftlicher Perspektive. Facebook und Twitter seien im Detail analysiert worden, als ob die Welt der Sozialen Medien in Stein gemeißelt wäre, kritisiert Korbmann. Er könnte genauso von anderen
Geisteswissenschaftlern und ihren Fantasien sprechen, was Soziale Medien seien oder sein sollten. Korbmann greift zwei in Berlin übersehene Unterschiede zu den herkömmlichen Medien heraus, die auch für Archäologen äußerst lesenswert sind: Erstens schafften die Sozialen Medien „ein völlig neues Machtgleichgewicht der Sender und der Empfänger von Informationen“, denn jeder könne zum erfolgreichen Sender mit praktisch unbegrenzter Reichweite und Wirkungsstärke werden. Zweitens sei der Stil der Kommunikation in den Sozialen Medien weniger die Verkündung, sondern sehr viel stärker dialogisch orientiert, institutionelle oder professionelle Autoritäten zögen nicht mehr.
Reiner Korbmann: „Im Dschungel der Definitionen – Akademien kämpfen mit ‚Chancen und Risiken der Wissenschaftskommunikation'“ (Wissenschaft kommuniziert, 24.3.):
https://wissenschaftkommuniziert.wordpress.com/2016/03/24/im-dschungel-der-definitionen-akademien-kaempfen-mit-chancen-und-risiken-der-wissenschaftskommunikation/

8.9.
Nicht sofort antworten, sein Publikum kennen: Wertvolle Tipps für den erfolgreichen Umgang mit Journalisten
Zehn kurze Tipps von Wissenschaftsjournalisten für Wissenschaftler für ihren Umgang mit den Medien bringen genau auf den Punkt, was erfolgreiche Medienarbeit ausmacht, beispielsweise für ein Interview. „Geben Sie sich wirklich (!) Mühe, verstanden zu werden“, ist einer der Ratschläge, der – wie alle anderen neun Tipps auch – aus langer Journalistenerfahrung entspringt. Übrigens: Für keinen der Tipps braucht man Geld oder Personal, womit sie sich noch mehr für die Archäologie eignen. „Top tips from science writers — before you speak to the media. 10 science and health journalists give scientists their best advice“ (Elsevier Connect, 18.3.):
https://www.elsevier.com/connect/top-tips-from-science-writers-before-you-speak-to-the-media

9. Impressum und Redaktionshinweise
Sie erhalten diesen Newsletter, weil Sie auf der Verteilerliste der DGUF eingetragen sind. Wollen Sie den Newsletter nicht länger erhalten, klicken Sie zum Abmelden bitte auf den Link am Ende dieses Newsletters.

Der Newsletter wird herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (DGUF). Verantwortlich für den Inhalt des Newsletters: Diane Scherzler.

Wenn Ihnen der Newsletter gefällt und Sie ihn weiterempfehlen möchten: gerne! Auch wer nicht Mitglied der DGUF ist, kann den Newsletter beziehen. Dort geht es zur Anmeldung: http://www.dguf.de/index.php?id=49

Den Newsletter gibt es – üblicherweise mit einer Verzögerung von wenigen Stunden bis Tagen – auch formatiert als PDF-Version mit klickbaren Links in unserem Archiv. Dort finden Sie auch alle bisherigen Newsletter: http://www.dguf.de/index.php?id=249

Wir freuen uns über Ihre Hinweise auf Veranstaltungen, Tagungen etc. Bitte schicken Sie dazu eine E-Mail an die Redaktion: newsletter@dguf.de. Die DGUF nimmt eine Auswahl und ggf. eine redaktionelle Überarbeitung eingesandter Hinweise und Beiträge vor. Anhänge (z. B. PDFs mit weiterführenden Informationen) können im DGUF-Newsletter nicht aufgenommen werden. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung. Keine Gewähr auf Angaben, die nicht aus der DGUF selbst kommen. Für den Inhalt von Websites, auf die in diesem Newsletter ein Link gesetzt ist, ist die DGUF nicht verantwortlich.

image.jpg